Nachdenkseiten @ Illner

Ein wirklich Politik- und Informationsinteressierter sollte sich tunlichst von den üblichen Talkshowformaten fernhalten. Spätestestens seit Christiansen sind diese Laberrunden Vollversammlungen der deutschen Lobbyverbände und einiger kritischer Feigenblätter. Will und Plasberg haben daran nicht wirklich viel geändert. An Christiansen störte mich, dass immer die selben Vertreter des neoliberalen Mainstreams anwesend waren und ihre “Wahrheiten” kundtun durften. Unterbrochen wurden die Gäste von der Ex-Tagesthemen-Sprecherin nur selten. Sie durften freiheraus ihre ideologischen Platitüden herunter beten, ohne dass ihnen jemand in die Quere kam. Bei Plasberg herrscht das andere Extrem vor. Manchmal hat man das Gefühl, die Gäste dürften nur mit Ja oder Nein antworten. Holt der Gast doch einmal erklärend aus, weil er sein Argument stützen will, wird ihm sofort dazwischen gegrätscht. Aufklärender ist dieses Format also auch nicht. Ich schaue mir solche Sendungen also inzwischen nicht mehr an. Nur vorgestern wurde auf den Nachdenkseiten angekündigt, dass Albrecht Müller am Donnerstag bei Maybritt Illner (ja, die neue vom DTAG-Obermann). Ich setzte die Sendung also ausnahmsweise auf meinen TV-Plan.

Die Konstellation war zunächst recht vielversprechend. Albrecht Müller, Norbert Blüm und der als Professor getarnte Versicherungsvertreter Raffelhüschen waren angekündigt, andere Gäste standen noch nicht fest. Am Ende hat man im Verband der Versicherungswirtschaft wohl kalte Füße bekommen (oder die für die Sendung verantwortliche Redaktion) und hat Raffelhüschen durch den noch weniger erträglichen Ex-Kanzleramtsminister Bohl ersetzt. Zum Thema Gesundheit war der schrullige aber versierte Professor und MdB Lauterbach, eine junge Dame vom Verband junger Selbstständiger (oder so) und ein Abgeordneter der FDP, dessen Namen man sich nicht merken muss, obwohl er Vorsitzender des Haushaltsausschusses ist. Unterm Strich waren also drei Lobbyvertreter (den FDP Vertreter rechne ich schon automatisch dazu) und zweieinhalb kritische Stimmen vor Ort. Lauterbach hat ja zum Thema Zweiklassengesellschaft ein interessantes Buch geschrieben und tingelt damit seit Monaten durch die Talkrunden Deutschlands. Auch wenn ich nicht jedes Argument und jeden Standpunkt mit ihm teile, meine ich, dass er seine Sache gerecht und ordentlich vertritt.

Norbert Blüm gehört zu den Altmeistern der CDU, die mir, wie auch Heiner Geissler, mit zunehmenden Alter immer mehr gefallen. Wenn er zu Wort kam, hat er seine Argumente gewohnt unkompliziert und populistisch angehaucht unterbringen können. Albrecht Müller, wegen dem ich die Sendung nur angeschaut habe, hat mich hingegen enttäuscht. Er ist ein begnadeter Publizist, der die Fähigkeit besitzt mit spitzer Feder die in der Politik voherrschenden Lügen und Manipulationen aufzudecken. Doch live vor der Kamera fühlt er sich nicht wohl, dort ist er nicht in seinem Element. Als er zu seinem Thema, der gesetzlichen Rente, ausholen wollte, wirkte er schüchtern und nervös. Ihm fehlte der nötige Druck und Schwung in der Stimme, um seine Argumente richtig zünden zu können. Zu seiner Verteidigung ist zu sagen, dass es ihm nicht leicht gemacht wurde. Sein Aufmacher zur Rente war, dass er die “Reformen” der letzten Jahre als politische Korruption bezeichnete. Sobald das Wort gefallen war, hörte man aus der Runde mehrfach Worte wie “Verschwörungstheorie” und so weiter. Leider verließ Müller, nachdem er die Katze aus dem Sack gelassen hatte, sogleich der Mut. Er kam nicht damit klar, dass ihm die Lobbyisten auf ätzende Weise dazwischen laberten und ließ sich so aus dem Konzept bringen. Irgendwie kam es mir so vor, als hätte er daraufhin resigniert. Einmal sprang ihm Blüm bei, indem er kurz und knackig das Grundproblem der Riesterrente schilderte. Da merkt man einfach, wer der geborene Volkstribun ist und wer immer aus dem politischen Hintergrund agiert hat.

Ich folgere daraus, dass Albrecht Müller in einem solchen Format nichts zu suchen hat, die Themen, die er setzt aber schon. Das was wir täglich auf den Nachdenkseiten lesen, muss viel mehr Menschen zugänglich gemacht werden. Um das zu erreichen, braucht es also mehr als die Seite selbst. Auch die Auftritte Albrecht Müllers und Wolfgang Liebs im Hörfunk reichen dazu nicht aus, denn die Reichweite dieser Sender ist doch eher als gering einzuschätzen. Die Nachdenkseiten sollten also bereit sein, einen Schritt weiter zu machen. Sie benötigen mehr Medienkompetenz und eine professionellere Außendarstellung. Dazu benötigen sie einen frischen Kopf, der die Außendarstellung im Fernsehn übernehmen kann. Dieser Mensch sollte nicht zu alt und nicht zu jung sein, sollte nicht in den Verdacht geraten zu einer Riege alter Männer zu gehören, die Angst um ihr politisches Erbe hat. Er oder sie sollte ein sicheres Auftreten haben und die Fähigkeit haben auf Fragen knackig und mit guten Argumenten zu antworten. Dieser Mensch sollte voll und ganz hinter dem stehen, was die Nachdenkseiten machen und deren Meinung professionell repräsentieren, er oder sie sollte diesen Job als Berufung sehen und diesen möglichst umsonst und aus voller Überzeugung machen. Das Budget der Nachdenkseiten ist zumindest auf absehbare Zeit auf Ehrenamt ausgelegt und reicht wahrscheinlich gerade, um die Kosten für die Webseite zu decken. Schön wäre natürlich, wenn sich diese Situation mit der Zeit bessert (durch Spenden z.B.).

Es wird immer wichtiger, dass es eine parteipolitisch unabhänge, linke und kritische Bewegung entsteht, um den Friedmanismus in Deutschland zurückzuschlagen. Die Linke reicht dazu nicht aus. Am liebsten wäre mir ja, wenn man die Linke nicht brauchen würde und es stattdessen einen Aufstand in der SPD gäbe. Die Nachdenkseiten könnten der Teil dieser Bewegung sein, der ihr die inhaltlichen Argumente liefert. Albrecht Müller hat immer wieder aus 1984 zitiert, dass eine Lüge, die immer und immer wieder wiederholt wird, irgendwann zur Wahrheit wird. Das funktioniert über die mächtigen organisierten Interessen seit Jahren wunderbar in Deutschland. Die Gehirnwäsche hat tief in die Gesellschaft hineingewirkt. Nun wird es Zeit, dass dafür gesorgt wird, dass die Wahrheit wieder Wahrheit wird. Zu schaffen ist das wohl nur, wenn man hier mit des Feindes eigenen Waffen zurück schlägt. Die Wahrheit muss wieder und wieder wiederholt werden, aus verschiedensten Richtungen und vielen Mündern. Die Lobbyverbände (Arbeitgeber, INSM, Bertelsmann, usw.) haben ihre prominenten Sprachrohre, genauso braucht es diese Bewegung.

Wortbruch! Wahlbetrug!

Früher stand ich den Grünen sehr nahe. Gewählt habe ich sie vielleicht zwei mal bei Landtagswahlen, sonst war ich immer treuer Parteisoldat und stimmte natürlich für die SPD (ach, was waren das noch Zeiten). Das anarchische, undisziplinierte und rebellische Verhalten der Grünen hat mir immer imponiert. Das ist nun alles vorbei. Die Kinder der Bürgerlichen sind nun erwachsen geworden und haben die alten Ideen entsorgt.

Mußten Beck und Ypsilanti eine nie dagewesene Medienhetzkampagne über sich ergehen lassen, weil es um eine Mehrheitsbildungsoption gin, nachdem andere Möglichkeiten von allen anderen Parteien ausgeschlossen wurden, wird der Wortbruch und Wahlbetrug der Grünen in Hamburg mit keiner Silbe im Blätterwald erwähnt. Eher betrachtet man es in der bürgerlichen Journaille als “staatsbürgerlich verantwortlich”. Die Grünen haben gegen jede Beschlußlage in der Partei gegen die Abschaffung der Studiengebühren in Hamburg gestimmt, was von der SPD und der Linken in der Bürgerschaft beantragt wurde.

An dieser Stelle muß ich also das tun, was die Medien in Deutschland versäumen: Ich fordere die Grünenmitglieder in Hamburg auf, auf einem schnell einzuberufenen Sonderparteitag den Bruch der Schwarz-Grünen Koalition herbeizuführen. Die Entsorgung grüner, ja einstmals linker Ideale wird den Grünen sonst den Untergang bescheren.

Ackermann fordert staatliche Hilfe

Das dreiste Finanzschmarotzertum in Verkörperung Josef Ackermanns zeigt (mal wieder) sein wahres Gesicht. In den letzten Jahren war man sich zu keiner Gelegenheit zu schade, die Schwächsten in der Gesellschaft zu diffamieren, sie der Faulheit und Unbeweglichkeit zu bezichtigen. Auch wer fleißig arbeitet, sollte auf Lohn verzichten. Gleichzeitig erhöhte man sich selbst die Gehälter um Millionen und versuchte diese dann trickreich vor dem bösen bösen Staat zu verbergen. Man ließ keine Gelegenheit aus, die sozialen Sicherungssysteme zu demontieren und so gleichzeitig das schwer verdiente Geld der Arbeitnehmer in die eigenen Kassen umzuleiten. Man ließ keine Gelegenheit aus, dem freien Markt als höchste, gar göttliche Gesellschaftsform zu huldigen; gleichzeitig sorgte man dafür, dass der Staat seine wertvollsten Besitztümer an private Investoren verschleudert.

Doch nun zeigt sich (mal wieder), dass der von der Leine gelassene globale Kapitalismus in sich zusammenbricht. Da bekommt es der Ackermann mit der Angst zu tun. Da ruft dieser Mann, der den Staat immer wieder laut ausgelacht hat, sich über ihn gestellt hat, diesen in jeder Gelegenheit versucht hat zu demontieren und ihm die Macht zu nehmen, nach diesem, damit er das Bankensystem bloß rettet.

Ich habe nichts dagegen, dass der Staat Banken rettet. Die Alternative wäre umso schrecklicher. Ein Bankrun wie 1929 wäre eine Katastrophe. Nur eines sollte dann klar sein: Das weltweite Finanzsystem muss danach anders aussehen. Die Kapitalmärkte müssen kontrolliert werden, sie müssen reguliert werden. Wer heute Hilfe vom Staat fordert, muss morgen damit leben können, dass der Staat danach das Sagen hat. Eine Quasi-Verstaatlichung der großen Banken muss die Folge sein. Renditen über 20 % sind volkswirtschaftlich (und auch marktwirtschaftlich) nicht sinnvoll. Dieses Renditestreben hat uns genau dahin geführt, wo wir jetzt sind. Wer behauptet, die Deutsche Bank, hätte mit der Subprime-Krise nichts zu tun, liegt falsch. Sie hat die Risiken nur rechtzeitig, z.B. an die IKB, abgeschoben. Hier ist der Staat und somit der Steuerzahler schon längst aktiv.

Die Suppe, die Ihr Ackermanns uns eingebrockt habt, müssen nun wir auslöffeln. Dann löffeln wir eben und würgen’s runter. Wenn die Schüssel aber leer ist und wir die Hände wieder frei haben, blüht Euch aber etwas. Als Demokraten werden wir jede Möglichkeit nutzen, die uns das deutsche Grundgesetz bietet, um Euer Unwesen zu vertreiben. Ihr sollt Eure Millionen verdienen (wenn Euer Geschäft denn soviel abwirft und Ihr Eure Leute anständig bezahlen könnt), wir werden aber unseren Anteil fordern. Freundet Euch schonmal mit dem Gedanken an 60 % versteuern zu müssen… achja, Sozialabgaben werden dann auch in voller Höhe fällig. Wenn Ihr das nicht ertragt, dürft Ihr gerne das Land verlassen. Laßt Euch aber gesagt sein, dass es dort keinen Mangel an fähigen Managern gibt. Es ist eine Mär, dass man da nur auf Euch wartet. Hier gibt es hingegen genügend ausreichend qualifizierte Interessenten für Eure alten Jobs. Also Tschüss Ihr Ausbeuter, schickt mal ne Karte, aber lasst Euch ansonsten nicht mehr blicken!

Rürup sieht seine Felle davon schwimmen

Kaum erhöht der Arbeitsminister die Renten außerplanmäßig und das auch nur um ein unzureichendes Minimum meldet sich auch schon Herr Rürup via Spiegel Online. Als Wirtschaftsweiser, Vortragsreisender und nebenberuflicher Versicherungsvertreter tut er alles dafür, dass die Rentnerinnen und Rentner sich die Butter auf dem Brot nicht leisten können. Unterstützung findet er bei JU-Jungspunden, deren Großeltern schichtbedingt in Geld schwimmen. Was Altersarmut heißt, können sich solche Leute nicht vorstellen, das wollen sie auch gar nicht wissen.

Die Argumente sind immer die gleichen. Die alte Generation lebe auf Kosten der Jungen, die Rentenkasse würde zusätzlich um diverse Milliärdchen belastet (ooooooh), es wäre ein großer Schritt zurück (wohin?), usw. Die typische Propaganda eben. Dass die volkswirtschaftliche Produktivität jährlich boomt und es folglich ein Kinderspiel wäre auch die Alten gerecht daran zu beteiligen wird einfach verschwiegen. Dieser Zusammenhang taucht in den meisten Medien auch gar nicht auf (entweder weil man dort von Volkswirtschaft einfach keine Ahnung hat, oder weil man die Interessen der Versicherungskonzerne und Arbeitgeber vertritt).

Wie reagiert man am besten auf die “Argumente” vieler Leute, die die herrschende Systematik verteidigen? Ist man der Meinung, dass die Alterseinkünfte wieder so steigen sollten wie früher (ohne Riester, ohne demographischen Faktor) bekommt man immer zu hören, dass dann ja die Beiträge auf 28 % steigen würden. Gegenantwort: 1. tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils die Hälfte der Beiträge. Sorgt man via Riester, Rürup oder andere Formen zusätzlich vor, kommt man als Arbeitnehmer schnell auf 4 % des Bruttolohns, macht 14 %, also die Hälfte der bösen bösen 28 % (und das JETZT und nicht erst, wie prognostiziert 2030). Die vier fehlenden Prozent hat der Arbeitgeber schön eingespart. Er Ihnen also faktisch Ihren Lohn gekürzt. Wenn sich also Politiker der herrschenden Parteien hinstellen und einem Arbeitnehmer die neuen Renten als Ersparnis verkaufen wollen, lügen sie diesem geradewegs ins Gesicht.

Jemanden wie…

… Johannes Kahrs möchte ich nicht hinter mir stehen haben. Da schmerzen noch die alten Wunden und das Blut tropft noch frisch vom Messer und er steht immer noch hinter Beck.

All along the Watchtower

Wer das Ende der letzten Staffel von Battlestar Galactica gesehen hat, kennt den Song in der Version von Bear McCreary (Original natürlich von Bob Dylan und die bekanntere Version von Jimmi Hendrix) schon. Hier nochmal in voller Länge mit einem Zusammenschnitt der letzten Folge:

Mist, Beck ist ja immer noch da…

… also macht SpOn einfach weiter. Praktisch ist, dass der arme Mann sich im Moment schlecht wehren kann. Heute hat man wohl schon Umfragen fertig, die nach über einer Woche Dauerfeuer ausfallen, wie sie ausfüllen müssen. Beck “stürzt ab“. Nachdem man nun tagelang immer wieder die selben rechten SPDler zitiert hat, erinnern jetzt nur noch links auf die “alten” Artikel. Inzwischen streut man auch mal andere Stimmen ein, wie der NRW-Frau Kraft, die Verständnis für Beck hat und selbst nicht vor hat, sich gegen die Linke zu positionieren. Ich wette, auf sie wird dann auch bald von allen Seiten eingedroschen, was ihr allerdings eher helfen würde, weil sie so endlich bekannter würde.

Der Spiegel will Beck absägen - Die Kampagne geht weiter

Viele hatten sicher gehofft, dass der Spiegel nun zu echten Nachrichten zurückkehrt, nachdem die Hamburg-Wahl nun gelaufen ist. Offenbar ist die Angst, vor einer Linksöffnung der SPD beim Spiegel aber so groß, dass man nun immer weiter drauf hält. Den ganzen Tag schon prangt das Gesicht Becks schon ganz oben auf Spiegel Online. Erst ging es um den ominösen Naumann-Brief, jetzt ist die SPD mal wieder “in Aufruhr“. Man bezieht sich hier auf Aussagen, die Garrelt Duin, der niedersächsische Landesvorsitzende schon Montag kurz nach der Sitzung des Parteivorstands gemacht hat. Dass dieser seit Montag irgend etwas Neues gesagt hätte, geht aus dem “Bericht” nicht hervor. Klar soll wohl nur werden, dass er der einzige war, der sich getraut hat. (Duin, der Vorsitzende der niedersächsischen SPD, der also auch verantwortlich für die schwere Wahlniederlage gegen Wulff ist; Duin, der gegen Schröder war, gegen die Agenda 2010 gewettert hat, diese aber seitdem mitträgt und nun nicht die Öffnung zur Linken hin will).

Welche Pappheimer werden denn sonst noch hinterm Ofen hervor geholt? Eigentlich nur Seeheimer und die sogenannten Netzwerker. Die letzteren sind eine inhaltslose, ideologieferne Aufsteigertruppe. Die ersteren haben immer schon gerne an Vorsitzenden gewackelt, um die SPD bloß nicht zu weit von der CDU zu entfernen. Willy Brandt könnte sicherlich ein Lied davon singen. Dann ließt man Namen wir Apel (wie lange ist der denn schon raus aus der Politik?), Clement (der Mann, der immer Politik mit den Interessen großer Vermögen macht).

Dann kommt man wieder zum Naumann-Brief und wiederholt den Kram, der schon seit gestern zu lesen war (z.B. der völlig unbeweisbare Vorwurf, Beck wäre am schlechten Abschneiden der SPD schuld). Der Rest: Nur Spekulationen, Behauptungen, Konstruktionen.

Alles also nur die purste Form von Manipulation! Man hofft so, den Druck auf Beck hoch zu halten, bis er am Ende die Konsequenzen zieht und entnervt aufgibt. Als Ergebnis erhofft sich der Spiegel eine Seeheimer- und Netzwerker-SPD. Das Programm ist dann nur noch ein Abklatsch neoliberaler CDU- und FDP Ideologie.

Aber man unterschätzt den Pfälzer Beck. Der Mann ist standfest und stur. Ähnlich wie Helmut Kohl wird er den Kritikhagel einfach aussitzen. Wer opponiert, wird irgendwann beiseite geschoben. Müntefering war sein erstes Opfer. Die Stones wissen, dass sie stillhalten müssen, weil sie sich sonst politisch verbrennen. Keiner der beiden hat eine echte Hausmacht und es wäre ein leichtes sie öffentlich zu diskreditieren. Steinmeier hat genügend Leichen im Keller. Steinbrück kann man sehr leicht vorwerfen, dass er die Wahlen in NRW vergeigt hat. Bis jetzt hat Steinbrück noch keine Probleme bekommen, weil in seinem Ressort alles glatt läuft, wird das wirtschaftliche Fahrwasser aber erstmal unruhiger, wird sein Job zur Hölle. Beck wird das ganze durchstehen und 2009 rotgrüner Kanzler unter Tolerierung der Linken.

Der Vieldenker

Update: Feynsinn schlägt in die selbe Kerbe (kurz und bündig). Spiegelkritiken sind meines Erachtens nicht “überflüssig”, ich wünschte mir aber, es gebe ein Pendent zum Bildblog, das es damit wirklich aufnehmen kann. Natürlich bietet das Printmedium alleine nicht genügend Stoff, ist auch nicht durch und durch so mies, dass es nicht etwas Arbeit erforderte, dessen Inhalte fundiert zu kritisieren. Als einziges kann man da vielleicht Oliver Gehrs nennen, der auf WatchBerlin einen Videoblog betreibt. Im Gegensatz zur Printausgabe, liefert SpiegelOnline hingegen massenhaft Ansatzpunkte für Kritik und Häme. Diese Seite hat seine Schwerpunkte offensichtlich in: Kampagnenjournalismus, Boulevard, “Sex and Crime”, dem Schüren von Ressentiments und zu einem guten Teil Manipulation. Nebenbei werden täglich viele Millionen Klicks generiert und somit richtig viel Geld verdient. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist SpiegelOnline eine Goldgrube und “richtig” aufgezogen. Aus journalistischer Sicht sind laute Zweifel aber berechtigt.

Kurt, mach Schluß!

Die Union droht jetzt sogar mit dem Ende der Großen Koalition. Oh, welch Drohung. Kurt Beck sollte jetzt einfach vorpreschen und ein Misstrauensvotum gegen Angela Merkel ausrufen und sich selbst zum Übergangskanzler wählen lassen. Mit den Stimmen der SPD, den Grünen und der Linken im Bundestag ist das ohne weiteres möglich. Selbst ein paar Seeheimer dürfen sich auf Merkels schlagen, es müßte so auch trotzdem reichen, weil die FDP sich enthalten wird (sie wünschen sich nichts dringender als das Ende der Koalition). Bis dann im September Neuwahlen stattfinden bliebe Beck so Übergangskanzler. Dann würden die Karten neu gemischt.

Das wäre mal ein Coup, der Schröders Neuwahlankündigung 2005 geradezu lächerlich aussehen lassen würde. Vielleicht träume ich aber auch zu sehr. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Rechten in der SPD nun den Putsch gegen Beck planen. Hat dieser Erfolg, ist das das Ende der SPD. Die linken SPDler müßten dann die Partei verlassen, entweder in Richtung Linke oder in eine neuzugründende westdeutsche moderat-linke Partei. Die Rest-SPD würde zu einer 10 % Partei verkümmern, die dann in direkter Konkurrenz zur FDP steht und diese vielleicht sogar absorbieren könnte.

Der Vieldenker (heute als Vielspekulierer)

Alles gegen die SPD

Die deutsche Presse, der Spiegel voran, hat ein neues (altes) Opfer: Die alte Dame SPD. Wochenlang hat man versucht die Linke klein zu prügelt, hat sie damit aber offensichtlich nur weiter gestärkt. Kurz vor der Wahl in Hamburg ist man nun umgeschwenkt. Wenn man einen starken, zähen Gegner nicht nieder ringen kann, wechselt man zu dem, der sowieso immer nur verlieren kann. Möglicherweise befürchtet man, dass sich nach der Hamburg Wahl die Zusammensetzung der Bundesversammlung zu Ungunsten des von der konservativ-neoliberalen Presse protegierten Horst Köhler verschiebt. Da man wie gesagt, die Linke nicht in den Griff bekommt, versucht man nun zumindest ein paar SPD Wähler von der Stimmabgabe fern zu halten oder ins andere Lager zu holen.

Auf Spiegel Online findet man täglich mindestens zwei Artikel contra Beck, contra SPD. Aufgefahren wird, was nur möglich ist. Man bietet politischen Nullnummern wie der CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer ein Forum, in dem sie äußern darf, die SPD wäre keine demokratische Partei mehr, wenn sie nun gemeinsame Sache mit der Linken machte. Und immer wieder das U-Boot Clement und die Seeheimer. Da wirft ein Voscherau dem Beck vor, er schade der SPD in Hamburg. Wenn er den Mund gehalten hätte, wäre der Schaden aber noch begrenzt geblieben. So entsteht der Eindruck von Streit, nicht durch Becks angebliche Äußerungen.

Ich hoffe, dass es nach der Hamburg Wahl endlich einen Aufstand der SPD Linken gibt. Es darf keine Rücksicht mehr gegenüber den Rechten in der Partei geben, die nie anderes im Sinn hatten, als die SPD zu einer Kopie der CDU ohne “C” zu werden. Notfalls muß man sich für einige Jahre vom Anspruch eine Volkspartei sein zu wollen verabschieden. Man sollte daran arbeiten, das Erbe Willy Brandts wieder zu ehren und zu leben. Es ist auch kein Weltuntergang, wenn es das vorzeitige Ende der jetzigen Regierung bedeutet. Sollte schwarz-gelb an die Regierung kommen, fällt dieses Land zwar vorübergehend an die Konzerne und organisierter Unternehmensinteressen, die kommende Wirtschaftskrise wird sie aber wieder schnell aus dem Amt fegen. Danach folgt die unweigerliche demokratische und wirtschaftliche Erneuerung dieses Landes.

Der Vieldenker

Update: Nochmal zur CSU Generalsekretärin: Irgendwo hat die CSU eine Gehirnwäscheanstalt, in denen deren Generalsekretäre ausgebildet werden. Ich hatte das Interview auf Spiegel Online das erste mal nur naja.. überflogen. Ist ja eh vorhersehbar, was aus der Richtung kommt, die Überschrift reicht ja. Ich hab’s mir nun nochmal genauer angetan. Der Interviewende kriecht der Dame zumindest nicht bis zum Ansatz in den Allerwertesten, was man ihm/ihr zugute halten muss. Die Frau Haderthauer jedenfalls kündigt durch die Blume an, Politiker der Linken strafrechtlich verfolgen zu wollen, weil diese ja angeblich antidemokratisch (Kommunisten!!!) seien. Aber, das ist ihr Hauptpunkt sei das erstmal der Job der SPD gegen die Linke zu kämpfen, genauso wie man selbst, die CSU also (und jetzt kommt’s) gegen Rechtsradikale kämpfte. Ich lach mich tot. Frau Haderthauer als neue Ikone der Antifa in Deutschland. Sehr intelligent… dachte ich jedenfalls, bis sie zum “argumentativen” Schlag gegen die Linke ausholte. Der Lafontaine besitzt demnach inzwischen einen “Palast” und das darf ein Linker nicht… Linke dürfen auch keinen Hummer essen! Linke haben sich, egal wie hoch ihr Einkommen ist, an die 4,25 € für Hartz IV Empfänger zu halten. Mehr fällt der Frau inhaltlich nicht ein. Wenn das nicht irgendwann mal der CSU auf den Kopf fällt. Denn auch in Bayern gibt es Menschen mit einem Bedürfniss nach mehr sozialer Gerechtigkeit.