Kaufkraft Boom?

Die GFK stellt mal wieder einen Kaufkraft Boom in Aussicht. Ich meine mich zu erinnern, dass ähnliches schon in den letzten Jahren versprochen wurde. Wo, fragt man sich, soll dieser Boom herkommen? Durchschnittlich sollen die Einkommen also um 700 € steigen. Klar, wenn sich das Porsche Management die Gehälter verdoppelt und man den Zuwachs auf 80 Millionen Einwohner umrechnet, kann schon annähernd auf den Wert kommen. Aber gleich von Kaufkraft zu sprechen?

Zwar geht auch die Hans-Böckler Stiftung von einem Reallohnzuwachs im kommenden Jahr aus, aber hey, da sollte man immer vorsichtig sein. Schließlich ist der Kaufkraftverlust allein durch die Inflation schon so hoch, dass zunächst „ordentliche“ Tarifabschlüsse in manchen Berufsgruppen wieder zusammen schmelzen. Ich kenne den genauen Wortlaut der Studie nicht, gehe aber davon aus, dass hier dezidiert Stellung für die Einführung eines allgemeinen Mindestlohn genommen wird. Das hätte sicherlich eine deutliche Auswirkung auf die Binnenkonjunktur, da jeder zusätzliche Euro bei Niedriglohnempfängern sofort konsumiert wird, während Besserverdienende tendenziell mehr auf die hohe Kante legen.

Man müßte sich mal mit den statistischen Methoden der GFK beschäftigen. Das ist schließlich der selbe Laden, der die Quotenermittlung im deutschen Fernsehen durchführt und das mit wissenschaftlich fragwürdigen Methoden. Wer sich mal ein Bild davon machen will, dem sei der wundervolle Film „Free Rainer“ mit Moritz Bleibtreu dollstens an Herz gelegt. Ich denke mal, dass gerade die monatlichen Konjunkturstimmungsumfragen der GFK eher als Propagandainstrument dienen. Aber das geht bei der großen Mehrheit in Deutschland nach hinten los. Es kann ja jeder selbst nachrechnen, dass nach Mehrwertsteuereröhung, Benzin-, Heiz- und Stromkostenexplosion immer weniger in der Tasche bleibt. Dazu kommt, dass jeder Steuersenkung (vor allem für Besserverdienende) der letzten Jahre auf der anderen Seite staatliche Leistungsverschlechterungen und starke Gebührenerhöhungen zufolge hatte. Der Durchschnittsverdiener zahlt heute in jedem Fall drauf und hat so an Kaufkraft verloren. Witzig ist, wenn auf Spiegelonline ganz oben die neueste superoptimistische Statistik erscheint und weit unten in der Rubrik Wirtschaft klein gedruckt berichtet wird, dass der Automobilabsatz im Inland in diesem Jahr deutlich eingebrochen ist (so geschehen vor wenigen Wochen).

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~ von degeisle - Dezember 17, 2007.

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