Baby Boom leicht gemacht, Peak Oil und andere ungeordnete Gedanken

Mangelnde Bildung und Armut

Seit meiner Schulzeit frage ich mich, warum sich die deutsche Politik so vehement gegen ein modernes Bildungssystem wehrt. In meinem Bundesland Niedersachsen ist man auch unter der SPD nicht weiter gekommen, als dass man die zweijährige Orientierungsstufe für die Klassen 5 und 6 eingerichtet hat. Diese neue Form sollte natürlich den Entscheidungsprozeß, auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll um zwei Jahre hinaus schieben. Indem man in den Fächern Mathematik und Englisch ein ABC-Kurs-System in der sechsten Klassen benutzte, erhoffte man sich eine fundiertere Entscheidung über den weiteren Weg der Schülerschaft. Leider bewegte sich diese Schulform noch zu sehr in der Logik des gesellschaftsklassischen dreigliedrigen Systems. Der Grundgedanke, die Kinder entsprechend ihrer Begabungen einzusortieren war der Integrativen Gesamtschule entlehnt und nicht per se schlecht. Doch leider hat es nicht wirklich gut funktioniert. Zwei Jahre waren zu kurz, die Schule war nur eine Durchschleusungsstation. In meiner Gemeinde war es so, dass die Kinder von damals acht Grundschulen (jeweils zweizügig) auf eine OS konzentriert wurden. Diese Masse an Schülern war nur schwer unter Kontrolle zu halten.

Während der Schröderjahre wäre genügend Zeit gewesen, Geld und Ressourcen in die Weiterentwicklung zu einem vernünftigen Gesamtschulsystem nach skandinavischem Vorbild umzubauen. Leider war das wie heute ideologisch stigmatisiert. Die SPD hatte nicht den Mut damit voran zu gehen. Dafür haben sie 2002 bezahlen müssen. Nachdem Wulff und seine Schergen an der Macht waren, haben sie radikal kurzen Prozeß mit der OS gemacht und den bildungspolitischen rollback in die 50er Jahre durchgeführt.

Nun zurück zur Frage, warum dieses archaische System noch Bestand hat. Überall in der „entwickelten“ Welt weiß man, dass ein untergliedertes Bildungssystem schädlich und uneffizient ist. Nur Deutschland beharrt darauf Klassenunterschiede zu zementieren.

Hier ist vielleicht die Antwort.

Denn das andere große Thema der Deutschen in den letzten Jahren ist ja deren Angst weniger zu werden. Mit nichts kann man mehr Auflage machen, als mit der Panikmache um den demographischen Wandel. Nun haben sich Politiker verschiedenster Coleur daran gemacht, das „Aussterben“ der Deutschen zu verhindern (noch schlimmer ist die Vorstellung, die Ausländer würden sich so stark vermehren, dass sie „uns“ bald zahlenmäßig übertreffen… da würde der Koch in der Pfanne verrückt).

Leider werfen gutgebildete deutsche Frauen (angeblich) nicht genug. Die 1.3 Kinder pro Frau reichen nicht (wofür eigentlich). Also demontiert man das bewährte Altersvorsorgesystem (und subventioniert lieber die Versicherungswirtschaft) man schafft nach und nach grundgesetzwidrig den Sozialstaat ab. Das führt zu immer mehr Armut. Wie in den USA soll es dann auch hier laufen: Mangelnde Bildung ,Chancen und Wohlstand führt dann zu einer höheren Geburtenrate. Toll. Damit hat man dann massenhaft billige Arbeitskräfte, die auf chinesischem Niveau malochen und verdienen. Ein stetig großes Heer an Arbeitslosen dient als Mittel um die Löhne zu drücken.

Warum es gut ist, dass  wir weniger werden

Weniger Menschen verbrauchen weniger. Weniger Rohstoffe, weniger Energie, weniger Anbaufläche. Vor allem wenn man davon ausgeht, dass von all dem in Zukunft immer weniger da ist zum verbrauchen, ist es ganz gut, wenn man sich schonmal darauf einstellt. Dass die Deutschen weniger werden ist vorausschauend und nachhaltig. Geht das Erdölzeitalter zu Ende (und es geht definitiv irgendwann zuende), fehlt auch die Grundlage für die massive Explosion der Erdbevölkerung in den letzten 50 Jahren.

In der öffentlichen Diskussion ist es nämlich stets zu kurz gegriffen, Erdöl nur als Energieträger für Stromerzeugung und Transport zu begreifen. Gerade die Nahrungsmittelerzeugung auf heutigem Niveau wäre ohne Erdöl undenkbar. Es dient dazu Kunstdünger und Pestizide herzustellen, für den Transport um die Welt etc. Auch die Pharmaindistrie ist davon abhängig. Und nicht zuletzt die Konsumgüter können ohne Erdöl nicht entstehen. Nicht nur das Überleben der Weltbevölkerung hängt davon ab, sondern das kapitalistische System selbst. Der Kapitalismus funktioniert nur, weil er sich zu sehr günstigen Konditionen der seit Milliarden Jahren stattfindenden Energieproduktion in der Erdkruste bedient.

Das Erdölzeitalter ist nicht erst beendet, wenn der letzte Tropfen aus dem Boden gepresst wurde. Es ist vorbei, sobald das Fördermaximum erreicht wird. „Peak Oil“ ist das Stichwort. Schon gibt es erste Meldungen, dass Peak Oil schon erreicht wäre. Andere beschwichtigen, es liege noch 5-15 Jahre in der Zukunft. Aber dass es zu meinen Lebzeiten stattfinden wird, ist ausgemacht. Wir reden hier nicht mehr über die Voraussagen des Club of Rome Ende der 60er Jahre. Diese Prophezeiungen waren noch sehr unsicher. Seitdem wurden Riesenfelder gefunden. Solche Funde blieben in den letzten Jahren aber eher aus. Vermeintlich große Funde wurden überschätzt, oder solch gigantische Vorkommen in Saudi-Arabien wurden so brutal ausgebeutet (indem man beispielsweise Mehrwasser hinein pumpt, um den Druck zu erhöhen), dass man die mögliche Förderdauer um viele Jahre verkürzt hat.

Sobald also Peak Oil wirklich erreicht ist, wird es eine Riesenpanik an den Märkten geben. Über die Preisanstiege der letzten Monate werden wir lachen. Der Ölpreis wird sich überschlagen. Als erstes wird der Privatmann kein Auto mehr fahren können. Es würde schlicht unwirtschaftlich Benzin zu kaufen. Wer glaubt bis dahin könnte man die Versorgung auf alternative Träger umstellen ist naiv. Wie hoch ist denn der weltweite Anteil an alternativen Antriebsstoffen heute? Ich glaube mit 90 % greife ich noch zu tief. Das will man in der kurzen Zeit ändern? Das müßte ja bedeuten, dass man fast die gesamte PKW Flotte von heute auf morgen auf andere Antriebe umstellen müßte. Meine Prognose ist, dass der Fahrzeugmarkt komplett zusammenbrechen würde. Massenentlassungen stünden an. Das gesamte Wirtschaftssystem würde zusammen brechen.

Ein sehr lesenswertes Szenario zum Peak Oil hat übrigens Andreas Eschbach in „Ausgebrannt“ geliefert (Lesetipp)
Ich hoffe, dass die Medien wieder zurückkehren zu vernünftiger Aufklärung. Zu lange schon beten sie die Demographie-Propaganda nach. Im Moment scheint sich aber ein neuer Zeitgeist zu entwickeln. Deswegen bin ich guten Mutes, dass sich dieses Land doch wieder in eine gesunde Richtung bewegen wird.

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~ von degeisle - Januar 20, 2008.

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