Der Spiegel will Beck absägen – Die Kampagne geht weiter

Viele hatten sicher gehofft, dass der Spiegel nun zu echten Nachrichten zurückkehrt, nachdem die Hamburg-Wahl nun gelaufen ist. Offenbar ist die Angst, vor einer Linksöffnung der SPD beim Spiegel aber so groß, dass man nun immer weiter drauf hält. Den ganzen Tag schon prangt das Gesicht Becks schon ganz oben auf Spiegel Online. Erst ging es um den ominösen Naumann-Brief, jetzt ist die SPD mal wieder „in Aufruhr„. Man bezieht sich hier auf Aussagen, die Garrelt Duin, der niedersächsische Landesvorsitzende schon Montag kurz nach der Sitzung des Parteivorstands gemacht hat. Dass dieser seit Montag irgend etwas Neues gesagt hätte, geht aus dem „Bericht“ nicht hervor. Klar soll wohl nur werden, dass er der einzige war, der sich getraut hat. (Duin, der Vorsitzende der niedersächsischen SPD, der also auch verantwortlich für die schwere Wahlniederlage gegen Wulff ist; Duin, der gegen Schröder war, gegen die Agenda 2010 gewettert hat, diese aber seitdem mitträgt und nun nicht die Öffnung zur Linken hin will).

Welche Pappheimer werden denn sonst noch hinterm Ofen hervor geholt? Eigentlich nur Seeheimer und die sogenannten Netzwerker. Die letzteren sind eine inhaltslose, ideologieferne Aufsteigertruppe. Die ersteren haben immer schon gerne an Vorsitzenden gewackelt, um die SPD bloß nicht zu weit von der CDU zu entfernen. Willy Brandt könnte sicherlich ein Lied davon singen. Dann ließt man Namen wir Apel (wie lange ist der denn schon raus aus der Politik?), Clement (der Mann, der immer Politik mit den Interessen großer Vermögen macht).

Dann kommt man wieder zum Naumann-Brief und wiederholt den Kram, der schon seit gestern zu lesen war (z.B. der völlig unbeweisbare Vorwurf, Beck wäre am schlechten Abschneiden der SPD schuld). Der Rest: Nur Spekulationen, Behauptungen, Konstruktionen.

Alles also nur die purste Form von Manipulation! Man hofft so, den Druck auf Beck hoch zu halten, bis er am Ende die Konsequenzen zieht und entnervt aufgibt. Als Ergebnis erhofft sich der Spiegel eine Seeheimer- und Netzwerker-SPD. Das Programm ist dann nur noch ein Abklatsch neoliberaler CDU- und FDP Ideologie.

Aber man unterschätzt den Pfälzer Beck. Der Mann ist standfest und stur. Ähnlich wie Helmut Kohl wird er den Kritikhagel einfach aussitzen. Wer opponiert, wird irgendwann beiseite geschoben. Müntefering war sein erstes Opfer. Die Stones wissen, dass sie stillhalten müssen, weil sie sich sonst politisch verbrennen. Keiner der beiden hat eine echte Hausmacht und es wäre ein leichtes sie öffentlich zu diskreditieren. Steinmeier hat genügend Leichen im Keller. Steinbrück kann man sehr leicht vorwerfen, dass er die Wahlen in NRW vergeigt hat. Bis jetzt hat Steinbrück noch keine Probleme bekommen, weil in seinem Ressort alles glatt läuft, wird das wirtschaftliche Fahrwasser aber erstmal unruhiger, wird sein Job zur Hölle. Beck wird das ganze durchstehen und 2009 rotgrüner Kanzler unter Tolerierung der Linken.

Der Vieldenker

Update: Feynsinn schlägt in die selbe Kerbe (kurz und bündig). Spiegelkritiken sind meines Erachtens nicht „überflüssig“, ich wünschte mir aber, es gebe ein Pendent zum Bildblog, das es damit wirklich aufnehmen kann. Natürlich bietet das Printmedium alleine nicht genügend Stoff, ist auch nicht durch und durch so mies, dass es nicht etwas Arbeit erforderte, dessen Inhalte fundiert zu kritisieren. Als einziges kann man da vielleicht Oliver Gehrs nennen, der auf WatchBerlin einen Videoblog betreibt. Im Gegensatz zur Printausgabe, liefert SpiegelOnline hingegen massenhaft Ansatzpunkte für Kritik und Häme. Diese Seite hat seine Schwerpunkte offensichtlich in: Kampagnenjournalismus, Boulevard, „Sex and Crime“, dem Schüren von Ressentiments und zu einem guten Teil Manipulation. Nebenbei werden täglich viele Millionen Klicks generiert und somit richtig viel Geld verdient. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist SpiegelOnline eine Goldgrube und „richtig“ aufgezogen. Aus journalistischer Sicht sind laute Zweifel aber berechtigt.

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~ von degeisle - Februar 28, 2008.

Eine Antwort to “Der Spiegel will Beck absägen – Die Kampagne geht weiter”

  1. […] der Spiegel-Berichterstattung über SPD und Linke befasst sich der Vieldenker, der eine Anti-Beck-Kampagne sieht (und sich in einem PS noch mit der Frage befasst, ob […]

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